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Selbstständig, erschöpft und trotzdem nicht aufhören wollen

12. Okt.
4 Min. Lesezeit

warum Skalierung ohne Identitätsarbeit nach hinten losgeht


Über zwei Phasen die fast jeder Solopreneur kennt, warum Stressbewältigung kein Lifestyle-Thema ist und was KI damit zu tun hat.


MEINE GESCHICHTE

Ich habe lange einfach nur funktioniert


Ich komme aus dem Investmentbanking. Arbeit, Leistung, Ergebnis , das war meine Welt, und ehrlich gesagt auch meine Erziehung. Man funktioniert. Man liefert. Man macht weiter. Das ist kein Vorwurf an irgendjemanden, es war schlicht meine Baseline.

Das Problem mit dieser Baseline: sie fragt nicht ob sie noch passt. Sie läuft einfach weiter. Und irgendwann merkt man dass der Motor zwar noch dreht, aber schon eine Weile kein Öl mehr bekommen hat.

Was ich in meiner Zeit als Solopreneur gelernt habe: es gibt fast nur zwei Phasen. Entweder zu wenig Kunden und die Panik schleicht sich rein. Oder zu viel Arbeit und jede Veränderung, ob strategisch, gesundheitlich oder politisch, löst die gleiche innere Herzattacke aus. Beides ist nicht nachhaltig. Beides kenne ich aus eigener Erfahrung. Und beides hat den gleichen Ursprung.


DAS EIGENTLICHE PROBLEM

Wer seine innere Baseline nicht kennt, pendelt immer


Es gibt zwei Seiten der Medaille. Zu wenig Auslastung führt zu Existenzangst und schlechten Entscheidungen unter Druck. Zu viel Auslastung führt zu Burnout, und selbstständig krank sein ohne Einkommen ist eine Realität über die viel zu selten offen gesprochen wird.

Wer seine eigene Baseline nicht kennt und nicht bewusst anpasst, wird immer wieder in dieses Pendel zurückfallen. Nicht weil er es will, sondern weil es das Bekannte ist. Der Körper und der Kopf suchen das Vertraute, auch wenn es nicht gut tut.

Bei mir sah die Realität so aus: wenn alles fantastisch lief kam die Prokrastination. Weil ich total überfordert wurde und mein Unterbewusstsein mich zurück in die Komfortzone führen wollte. Selbstsabotage überwinden klingt nach einem einfachen Satz. Es ist harte Arbeit.

Entscheidungen die aus Stressgedanken heraus getroffen werden sind fast immer falsch. Punkt. Nicht manchmal. Fast immer.


WAS WIRKLICH HILFT (FÜR MICH UND VIELLEICHT FÜR DICH)

Stressbewältigungsstrategien sind kein Lifestyle-Thema


Wenn ich heute über Stressbewältigungsstrategien rede, meine ich nicht Kerzen und Entspannungsbäder. Ich meine: der Motor muss gepflegt werden damit er läuft. Wer jeden Tag 100 km zur Arbeit fährt und nur ein Auto hat, würde keine billigen Scheibenwischer kaufen und kein schlechtes Öl reinschütten. Warum tun wir das mit unserem Körper und unserem Kopf?


Was mir konkret hilft: Yoga Nidra, EFT, Vagusnerv-Übungen und Sport. Ich habe meine Cortisol-Werte messen lassen, das Muster hatte sich körperlich manifestiert. Das war der Moment wo ich aufgehört habe Stressbewältigung als optional zu betrachten.

Burnout Prävention als Selbstständige bedeutet nicht weniger zu arbeiten. Es bedeutet zu wissen wie man arbeitet, wann man aufhört und was man braucht um wieder aufzufüllen. Das ist keine Schwäche. Das ist Systemdesign.


BEVOR DU SKALIERST

Identitätsarbeit kommt vor Skalierung als Solopreneur


Alle reden über Skalierung. Skalieren, skalieren, skalieren. Ich glaube inzwischen dass das der zweitgefährlichste Rat ist den man Solopreneuren geben kann, direkt nach "folge deiner Leidenschaft".

Nicht weil Skalierung falsch ist. Sondern weil sie voraussetzt dass man weiss was man skalieren will. Und das setzt voraus dass man weiss wie man arbeiten will. Und das setzt voraus dass man weiss wer man ist und was man braucht. Diese Reihenfolge wird fast immer übersprungen.

Wenn man ein falsches Ziel hat oder falsche Vorstellungen davon was man eigentlich will, dann produziert KI noch mehr davon, nur schneller. Man bekommt mehr von dem was man nicht will, in kürzerer Zeit. Ich bin absolut Team KI, aber ich bin noch mehr Team Fundament bauen zuerst. Denn wer im Sumpf baut, muss irgendwann immer weitere Stockwerke hinzufügen um nicht zu versinken.

Erst verstehen wie man leben will. Dann das Businessmodell das dazu passt. Nicht umgekehrt.


MEIN WEG

Von "The Big Leap" ins Rabbit Hole – und warum ich das nicht bereue


Ich habe mit dem Buch "The Big Leap" von Gay Hendricks angefangen. Und bin von dort in immer tiefere Schichten gerutscht. Die einen nennen es esoterisch, die anderen physikalisch aka Quantenphysik, Bewusstsein, Muster die sich im Körper manifestieren. Ich bin noch lange nicht fertig mit diesem Prozess.


Was ich weiss: der Weg zu dieser Erkenntnis war bei mir nicht klar und er war viel zu lang. Deshalb rede ich darüber. Nicht weil ich alle Antworten habe, sondern weil ich hoffe dass es andere nicht ganz so schwer haben müssen.


Zum Mitnehmen

Was ich mir früher gewünscht hätte zu wissen


Der Motor muss gepflegt werden

Stressbewältigung ist keine Option. Es ist die Voraussetzung dafür dass alles andere funktioniert. Selbstständig krank kein Einkommen zu haben ist eine Realität die man ernst nehmen sollte bevor sie eintritt.


Selbstsabotage ist kein Charakterfehler

Prokrastination wenn alles gut läuft, Erschöpfung wenn man Gas geben will – das sind Signale. Kein Versagen. Wer diese Muster versteht kann anfangen sie zu verändern.


Erst das Leben, dann das Business

Wer nicht weiss wie er arbeiten will, bekommt mehr von dem was er nicht will. Das ist kein Motivationsproblem. Das ist ein Klarheitsproblem.


 
 
 

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